Einführungsgottesdienst Pfarrerin Schneider

Erstellt am 21.12.2023

                                                                                                                                              Bernd Höner, 06.12.2023

Den Glauben ins Gespräch bringen
Am 1. Advent wurde Ann-Kristin Schneider als Pfarrerin in Siemshof eingeführt

LÖHNE — Die Mitglieder der Kirchengemeinde Siemshof hatten am 1. Dezember doppelten Grund zu Freude: Zum einen konnten sie das 70-jährige Kirchweihjubiläum ihrer Heilandkirche feiern, zum andern wurde Ann-Kristin Schneider als neue Pfarrerin der Gemeinde eingeführt. Sie folgt auf Jörg Nagel, der im Sommer in den Ruhestand gegangen war (UK berichtete).

Nach dem feierlichen Einzug von Presbytern, Kollegen, Superintendent und neuer Pfarrerin in die Kirche hatten die Kinder im Festgottesdienst das erste Wort: Mit einem Lied und vielen Sternen begrüßten sie die neue Pfarrerin. Auch sonst spielte die Musik im Festgottesdienst eine große Rolle: Der Posaunenchor der Gemeinde spielte zum Einzug und Auszug und begleitete zusammen mit Wolfram Ellinghaus den Gemeindegesang, außerdem sangen Gospelchor und Kirchenchor je zwei Stücke.

Kirchmeister und Presbyteriumsvorsitzender Wilhelm Brinker erinnerte an die Einweihung der Kirche am 1. Advent 1953 durch den damaligen westfälischen Präses Ernst Wilm, assistiert vom damaligen Herforder Superintendenten Bartelheimer, und die Überreichung der Altarbibel mit einer Widmung des Bundespräsidenten durch den Bevollmächtigten der EKD bei der Bundesregierung Hermann Kunst.

70 Jahre später freute sich der heutige Superintendent Dr. Olaf Reinmuth, an diesem besonderen Tag Ann-Kristin Schneider in ihr neues Amt einzuführen. Reinmuth machte deutlich, dass sich damit auch Gedanken an „Gestaltungsmöglichkeiten und Visionen von Zusammenarbeit weit über diese Gemeinde hinaus“ verbinden. Schneider werde nicht nur in Siemshof, sondern mit einem knappen Viertel der Arbeitszeit auch in der Kirchengemeinde Löhne arbeiten. Und sie sei Teil der Nachbarschaft, zu der auch die Gemeinden Obernbeck und Mennighüffen gehörten und in der man in Richtung Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg unterwegs sei. Mit Mut und Entschlossenheit, mit Klarheit und Konsequenz und mit Gottvertrauen möge sie an die an die Arbeit herangehen. Reinmuth nahm Schneiders Ordinationsspruch aus Gen.12 auf, der zugleich ihr Taufspruch ist: „Du bist gesegnet und sollst ein Segen sein.“

Ihre Antrittspredigt hielt die neue Pfarrerin über den Psalm 24 und das Kommen Gottes im Advent: „Gott kommt, der Herr der Herrlichkeit, aber er kommt anders als erwartet. Er kommt mitten hinein in unsere Welt und unser Leben.“ Weihnachten, so Pfarrerin Schneider, stellt alles auf den Kopf und sei eine Ermutigung zu Neuem: „‘Das haben wir schon immer so gemacht‘ hat an Weihnachten keinen Platz.“

Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus begrüßte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Löhne, Egon Schewe, die neue Pfarrerin. Er betonte dabei die Zusammenarbeit von Kirche und Kommune im Sinne der Menschen. Im Namen des „Löhner Exegeticums“, der ökumenischen Gemeinschaft der Löhner Pfarrerinnen und Pfarrer, überbrachte Ruhestandspfarrer Eckhardt Theismann Grüße an die neue Kollegin.

Die ist ganz in der Nähe von Löhne, auf der Lohe in Bad Oeynhausen, aufgewachsen. Als Jugendliche arbeitete sie ehrenamtlich in der Jugendarbeit des CVJM mit, unter anderem in der Leitung einer Jungschar. Trotzdem waren nach dem Abitur das Theologiestudium und das Pfarramt nicht im Blick. „Ich dachte damals, der Job ist nichts für mich“, sagt Ann-Kristin Schneider. Und so studierte sie zunächst Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. Die Wende kam während eines Auslandssemesters im schwedischen Jönköping. Beim Besuch einer Kirche wurde ihr klar: „Hier solltest du sein.“

Wieder in Deutschland führte sie viele Gespräche mit Freunden und der Familie, machte ein Praktikum im kirchlichen Bereich und merkte, dass das Pfarramt der Beruf für sie ist. Ihrem Vater schien das schon länger klar gewesen zu sein: „Ich hab‘s immer gesagt“, kommentierte er die Entscheidung seiner Tochter. Die schloss zunächst ihr BWL-Studium mit dem Bachelor ab, bevor sie in Münster, Wuppertal, Bochum und Amsterdam Theologie studierte. Mit Latein, Griechisch und Hebräisch musste Schneider zunächst die drei fürs Theologiestudium obligatorischen Sprachen erlernen, ein ziemliches Pensum. Mit den Erfahrungen eines ersten Studiums im Rücken studierte sie zielstrebig: „Ich hatte gemerkt, ich kann lernen“, sagt sie über sich selbst. Ein Schwerpunkt im Studium war die Systematische Theologie. „Das interessierte mich besonders, weil es darum geht, theologische Erkenntnisse in die heutige Sprache zu übersetzen und mit dem Leben der Menschen in Verbindung zu bringen“. Nach dem Ersten Theologischen Examen 2018 absolvierte die heute 32-jährige Theologin ihr Vikariat in den Gemeinden Hagedorn und Stift Quernheim. An das Zweite Theologische Examen 2021 schloss sich der Probedienst „oben auf dem Berge“ in Bergkirchen im Kirchenkreis Minden an.

„Ich will den Glauben ins Gespräch bringen“, beschreibt die Theologin ihre Vorstellungen von ihrer zukünftigen Arbeit in Siemshof und Löhne. Die Zusammenarbeit verschiedener Professionen in der Kirche ist ihr wichtig, Offenheit für projektartiges Engagement, Begleitung von Menschen an Schwellensituationen des Lebens. „So gibt es rund um die Geburt gibt es mehr als nur die Taufe“, sagt die Ehefrau und zweifache Mutter und kann sich auch Segnungsgottesdienste für werdende Eltern vorstellen. Neue Wege möchte sie wagen – und ist sich sicher, dass Siemshof allein schon aufgrund der Gemeindegeschichte dafür offen ist. „Die Gemeinde ist erst 70 Jahre alt – und die Kirche ist damals aufgrund eines Bedürfnisses der Menschen hier gebaut worden.“

 

Bilder: Einführung: In der vorderen Reihe Pfarrerin Ann-Kristin Schneider mit v. l. Pfarrer Kai Sundermeier (Mennighüffen), Superintendent Dr. Olaf Reinmuth und Pfarrer Kai Struckmeier. Dahinter Pfarrer Dieter Malitz (Oberlübbe-Rothenuffeln), Presbyterin