„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (Hebräerbrief 13,2)

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

Das ist der Monatsspruch für Juni 2018. Unter allen Stellen, an denen die Bibel von Engeln spricht, ist mir diese besonders lieb. Engel, die Boten von Gottes Nähe, können unscheinbar sein. Sie sind verwechselbar. Leicht können sie uns einfach wie normale Menschen erscheinen. Den Boten des Heiligen sieht man die Heiligkeit nicht unbedingt an. Wer sie nicht versäumen will, braucht einen offenen Blick und ein offenes Haus. Die Bereitschaft, Unbekannte aufzunehmen, ist nötig, wenn man den vorbeikommenden Engel nicht versäumen will.

Nach der Auskunft der Bibel hätte die Botschaft von Gottes Gnade ohne himmlische Boten die Menschen nicht erreicht. Ohne die himmlischen Interpreten wäre die Geburt eines Kindes in Bethlehem vor zweitausend Jahren ohne weitere Resonanz geblieben. Ohne die Boten der Hoffnung hätten die ersten Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung das leere Grab nicht deuten können – ohne jene Boten, die sie nach dem Bericht des Lukasevangeliums vor die Frage stellten: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (Hebräerbrief 13,2) Ohne die Zeugen für Gottes Gegenwart hätten die Apostel die Botschaft von der Freiheit der Kinder Gottes nicht am eigenen Leib erfahren – so wie Petrus, dem ein Engel den Weg aus dem Gefängnis weist.

Aber in all diesen Fällen sind die Engel wirklich Interpreten, Boten, Wegweiser. Sie öffnen die Verbindung zwischen Himmel und Erde – wie jene Engel, die Jakob im Traum erscheinen und auf einer Himmelsleiter auf und nieder steigen. Deren einzige Bedeutung ist es, auf Gott selbst hinzuweisen, der am obersten Ende der Himmelsleiter steht und sagt: „Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott.“

Engel weisen auf Gottes Einzigkeit hin. Sie treten nicht an seine Stelle. Sie wachen über Gottes Ehre. In der Hierarchie der Engel stehen deshalb auch nicht die Schutzengel obenan, sondern die Cherubim und die Seraphim, die Wächter über der Ehre des einen Gottes. Denn Engel haben gerade keine eigene Macht. Sie sind nur Boten für die Macht Gottes.alterlicher Theologe, haben sie nicht einmal einen eigenen Körper. Sie sind reine Spiritualität. Sie sind vollständig transparent für die Wirklichkeit Gottes. Ein kleiner Bronzeengel erinnert mich Tag für Tag an diese größere Wirklichkeit. Zu Hause liegt er auf dem Schreibtisch. Meistens liegt ein Brief oder eine Adresse unter ihm: Menschen, die ich nicht vergessen will, die einen Gruß erhalten, in meiner Fürbitte vor Gott genannt werden wollen. So wie auf Gott weist mich der Engel auch auf den Nächsten, auf Menschen, die mir nahe sind oder denen ich näherkommen möchte. Engel schlagen Brücken. „Lenk deinen Schritt engelwärts“ rät uns ein Gedicht von Rose Ausländer. Das meint: Öffne dich für Gott und für deinen Nächsten.

Und wenn Sie in diesem Sommer in den Urlaub fahren, wünsche ich Ihnen, dass Ihr Schutzengel Sie begleitet.

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pastor Jörg Nagel l

Andacht zur Jahreslosung 2018

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offb. 21,6)

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Wasser ist Leben.“ So heißt eine Kampagne des Kinderhilfswerkes der Vereinten Nationen für sauberes Trinkwasser. 2010 hat die UNO-Vollversammlung beschlossen, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein Menschenrecht ist. Dieses Recht wird vielen Menschen vorenthalten. Kaum vorstellbar ist es, dass immer noch alle zwanzig Sekunden ein Kind an unzureichender Wasserversorgung stirbt. Wasser ist Leben. Weil das so ist, hat „Brot für die Welt“ das neue Jahr unter das Thema gestellt: „Wasser für alle.“

Die Worte der Jahreslosung 2018 stehen im Buch der Offenbarung des Johannes (Kapitel 21, Vers 6): „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ In diesem Buch der Bibel stellt der Seher Johannes den leidvollen Seiten des Lebens große Hoffnungsbilder gegenüber, Hoffnungsbilder des Glaubens. Die Botschaft ist: Was auch immer Menschen erleben und erfahren, Gott ist ein Gott des Lebens. Deshalb wird am Ende kein Leid mehr sein, kein Geschrei, kein Tod. Gott wird abwischen alle Tränen. Gott schenkt Leben. Er stillt den Durst nach Leben. Niemand muss mehr Hunger und Durst leiden. Ganz praktisch und in einem übertragenen Sinn. Gott stillt den Hunger und Durst nach erfülltem Leben. Gott gibt von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer auf diese Bilder schaut und sie verinnerlicht, wird spüren: Sie sind selbst eine Quelle des Lebens. Wir brauchen Bilder der Hoffnung in uns, damit wir uns nicht damit abfinden, wenn Menschen Unrecht geschieht. Wenn Menschen in dieser Welt nicht bekommen, was sie zum Leben brauchen. Und wir brauchen Bilder der Hoffnung, damit wir selbst nicht zugrunde gehen auf den Durststrecken des Lebens.

Wir brauchen Bilder der Hoffnung, damit Gottes Welt, der wir entgegengehen, schon hier und jetzt Raum gewinnt unter uns. Kein Kind soll verdursten müssen. Alle Menschen sollen genug zu essen und zu trinken haben. Kein Mensch soll ohne Hilfe und Trost bleiben. Die Hoffnungsbilder der Bibel sagen: Haltet euch fest am Gott des Lebens. Trinkt aus der Quelle des lebendigen Wassers!

Nehmen Sie einmal ein Glas Wasser und trinken es langsam. Schluck für Schluck. Und denken Sie dabei: Wasser ist Leben. Und: Leben schenkt Gott. Gott sei Dank!

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pastor Jörg Nagel

Andacht Monatsspruch Dezember

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wir sind Gott nicht egal. Die biblischen Geschichten erzählen uns, wie sehr Gottes Herz schmerzt, wenn er das Böse sieht, was auf Erden geschieht. Es ist nicht so, dass er seine Erde nach der Schöpfung sich selbst überlässt, um wieder in seine Ewigkeit zu entschwinden. Wie unfassbar ist es doch, dass der Ewige und Allmächtige sich nicht mit sich selbst alleine zufrieden gibt, sondern mit uns Menschen zusammen sein will. Weil er uns liebt, gibt er uns die Freiheit, unser Leben zu gestalten, wie wir es wollen. Damit gibt er uns auch die Möglichkeit, uns für das Böse zu entscheiden. So finden wir in unserer Welt manches Gute, aber eben auch viel Leid, das wir Menschen in unserer Selbstbezogenheit über andere Menschen bringen.

Nun schnipst Gott nicht einfach mit dem Finger, um uns zum Guten zu zwingen. Gott wählt einen anderen Weg, um uns aus dem Schlamassel herauszuführen. Er kommt zu uns, als unser Mitmensch und Bruder: in Jesus. An Advent und an Weihnachten machen wir uns dieses wunderbare Handeln Gottes besonders bewusst. Nicht ein neues göttliches Gesetz posaunt er über unseren Köpfen aus, dem wir nun nachkommen sollen.

Das Besondere am christlichen Glauben ist die Erfahrung, dass Gott Mensch wird, um uns zu erlösen und an die Hand zu nehmen, um mit seiner Liebe im Herzen zu leben. Gott gewährt uns seine Barmherzigkeit bedingungslos. Gottes Barmherzigkeit ist Anfang, Mitte und Ziel unserer Rettung. Sie überwindet unseren Egoismus. So nimmt Gott uns mit in ein neues Leben, auf den Weg des Friedens.

Was hilft uns nun diese Glaubenswahrheit in den konkreten Herausforderungen unseres Lebens? Es bleibt vieles Stückwerk und es ist ein mühsamer Weg, aber die Hoffnungsenergie der Christen ist doch unglaublich. Wo sie wirken, im Lichte der Barmherzigkeit Gottes, auf dem Weg des Friedens, da schmecken die Menschen etwas vom guten Leben, das Gott für uns gedacht hat.

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pastor Jörg Nagel

Andacht Erntedank

»Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit.« (Psalm 145,15)

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Tagesspruch für das Erntdankfest ist einem besonders schönen, alttestamentlichen Psalm entnommen. Schon äußerlich ist die Schönheit daran abzulesen, dass im Hebräischen jeder Vers mit einem Buchstaben des Alphabets beginnt, natürlich in der richtigen Reihenfolge.

Wir würden sagen: von A bis Z, um so die Vollkommenheit Gottes in einem Lobpreis auf sein Wesen und Handeln zu spiegeln. Auch inhaltlich wird in diesem Psalm die Grundbefindlichkeit beider, des Menschen auf der einen und Gottes auf der anderen Seite, zur Sprache gebracht.

Zur Grundbefindlichkeit des Menschen gehört demnach seine absolute Angewiesenheit auf Gott: »Aller Augen warten auf dich.«

Diese grundsätzliche Glaubensaussage erinnert an eine starke Formulierung des Apostels Paulus im Römerbrief (8,22): »Die ganze Schöpfung seufzt und ängstigt sich mit uns bis zu diesem Augenblick. « – oder eben: »Aller Augen warten auf dich.« Und zur Grundbefindlichkeit Gottes gehört seine absolute, liebende Zugeneigtheit zu uns Menschen und zu seiner Schöpfung, ausgedrückt in dem Zuwendungswort von der »Barmherzigkeit Gottes «. »Gnädig und barmherzig ist der Herr«, heißt es in einem anderen Vers dieses Psalms.

Im Vaterunser kommt diese Grundsituation des Menschen und der Schöpfung vor allem in der vierten Bitte zum Ausdruck: »Unser tägliches Brot gib uns heute.« Im Hintergrund vernehmen wir wieder gleichsam das Seufzen der ganzen Schöpfung. Darum ist die Brotbitte des Vaterunsers in einem ganz weiten, die gesamte Schöpfung umfassenden Sinn zu verstehen und zu beten.

Ich kenne keine inhaltlich und sprachlich stärkere Erfassung dieser Weite der vierten Bitte als die Erklärung von Martin Luther im ›Kleinen Katechismus‹: »Was heißt denn tägliches Brot? – Alles, was Not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

« Jeder von uns kann diese weite Fassung auf sein Leben übertragen beziehungsweise im Hinblick auf seine Umgebung und auf das globale »Seufzen und Ängstigen « verändern und ergänzen. »Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.«

Bleiben Sie behütet. Ihr Pastor Jörg Nagel

Andacht August / September 2017

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“ – die meisten kennen dieses Lied von Paul Gerhardt aus unserem Gesangbuch (EG 503), und vielleicht hatten Sie ja in den vergangenen Wochen auch schon die Melodie im Kopf oder auf den Lippen. Das Lied entspricht ja auch dem Lebensgefühl vieler Menschen in den Sommermonaten: Wenn die Sonne scheint, dann zieht es uns hinaus in die Natur – für ein paar Stunden, für einen ganzen Tag oder in den Urlaub am Meer oder in den Bergen.

So beschreibt auch Paul Gerhardt in den folgenden Liedversen die Natur, in der er Gott am Werke sieht: Blumen und Bäume, Vögel und andere Tiere, der kräftig wachsende Weizen – wer könnte da nicht einstimmen: „Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“

Doch es bleibt nicht bei der schönen Naturbeschreibung. Gerhardt hat das Lied 1653 gedichtet – fünf Jahre nach Ende der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges.

Er weiß sehr wohl um das Joch dieses Lebens (siehe Strophe 12), und trotzdem kann er ein so schönes Lied schreiben. So möchte auch ich in Zeiten wachsender Angst vor dem Terror und einer – zumindest gefühlt – immer größeren Bedrohung des Friedens trotzdem dieses Lied singen können.

Doch Paul Gerhardt geht noch weiter. Letztlich ist für ihn alle Schönheit dieser Welt nur ein Vorgeschmack auf Gottes neue Welt, ein Gleichnis für die Herrlichkeit Gottes.

Unser ganzes Leben soll sich an Gott orientieren. Nicht nur die Natur soll ihrem Schöpfer blühen, sondern auch wir Menschen. So heißt es in Strophe 13: „Hilf mir und segne meinen Geist, dass ich dir stetig blühe.“

Möge uns dieses Lied dazu helfen und immer wieder daran erinnern, dass wir Menschen nicht nur jedes Jahr auf´s Neue eine „liebe Sommerzeit“ erleben, sondern dass wir Christen einer wunderbaren ewigen Zeit entgegengehen und schon jetzt im Glauben daran Anteil haben dürfen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Sommerzeit.

Ihr Pastor Kai Sundermeier

Andacht

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1 

„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!“ „Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn“, „Lobt froh den Herren, ihr jugendlichen Chöre“, „Großer Gott wir loben dich“ und vor allem „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.“ Wenn ich an meine Heimatgemeinde in Holsen/Ahle und an den frommeren Teil meine Großfamilie denke, habe ich diese Worte im Ohr, verbunden mit der ent - sprechenden erhebenden oder fröhlichen Melodie. So wurde bei uns in der Kirche zu großen kirchlichen Sonntagsfesten gesungen und natürlich auch bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen.

So wurde bei uns allerdings auch am Tisch gesungen, wenn die ganze Mischpoke bei Geburtstagen oder ganz einfach am Sonntag zusammensaß. Darum schmecken diese Lieder für mich auch ein bisschen nach Vanillepudding mit selbstgemachter Himbeersoße, Gurken-Bohnensalat mit Dill und saurerer Sahne und sonntäglichem Festtagsbraten mit brenneriger Soße auf zerdrückten Kartoffeln. Sie duften nach dem Lavendelparfüm meiner Uroma, die sich nach dem Essen auf „dat Schäselong“ zurück fallen ließ und nach dem kölnisch Wasser meiner Patentante Lieschen, die zusammen mit den anderen Frauen der Familie nach dem Essen den Abwasch bewältigte – oft auch das mit Gesang.

Die Lieder meiner Kindheit haben seit Jahrhunderten die Christen ihr Menschen-  leben lang begleitet. Es sind christliche Evergreens, könnte man etwas salopp sagen. Und auch dort, wo ich heute lebe und arbeite, in Mennighüffen und Siemshof, gehört zu den kirchlichen Lebensfesten diese große Musik dazu. Es ist Musik, die Menschen hält. Ein Stück Heimat.

Ich habe im Laufe der Jahre dann verschiedene andere Traditionen kennengelernt, in denen ich heimisch geworden bin. Und ich habe erfahren, dass manchen Menschen – anderer Generationen vielleicht und wenn sie nicht in einem traditionellen ostwest - fälischen Dorf aufgewachsen sind – meine alten Evergreens ganz fremd sind. Sie können wenig anfangen mit Cherubim und Seraphinen, den Adlerfittichen, auf denen man sicher geführet wird und möglicher - weise auch nicht mit der Huldigung göttlicher Überlegenheit. Sie haben andere Hymnen: „We shall overcome“ oder „Sonne der Gerechtigkeit“, wenn die Friedensbewegung ihnen am Herzen liegt; „Vertraut den neuen Wegen“ möglicherweise, wenn sie an Eck- oder Wendepunkten des Lebens daraus Kraft erfahren konnten oder wenn sie aus einer reformfreudigen Gemeinde kommen. Diese Menschen erzählen mit ihren Liedern von anderen Geschichten, und erinnern andere Geschmäckern und Düfte. Aber sie fühlen sich durch ihre Tradition, die sie geprägt hat, ebenso bewegt, wie manch einer von uns durch die alten Lieder.

Vermutlich hat jeder Mensch oder jede Christengruppe ein eigenes Lied.  Denn durch Musik sprechen Menschen aus, was sie bewegt. Auch das, was ihre Beziehung zu Gott ausmacht. Vielleicht ist es so, wie Fritz Baltruweit und Barbara Husted es in einer Liedstrophe einmal ausgedrückt haben: Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben. Von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde – du Hüter des Lebens, dir sing ich mein Lied. Wir singen Gott unser eigenes Lied, in dem unser Leben erklingt. Wer es darüber hinaus dann mit anderen gemeinsam in der Kirche schmettern kann, bekommt ein unvergleichliches Gefühl von Heimat in der Kirche. Der weiß: ja, hier komme auch ich mit meiner Geschichte und meinen eigenen Traditionen vor. Hier darf ich mit meinem Glauben zu Hause sein. Auch aus diesem Grund ist es so wichtig, dass wir in unseren christlichen Gemeinden die musikalische Vielfalt pflegen.

Bleibt behütet. Eure Pastorin Anke Starnitzke

Andacht Lukas 24,4-6

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ (Lk. 24, 4-6)

Am ersten Tag der Woche machten sich die Frauen mit wohlriechenden Ölen und Salben auf zum Grab. Ihr Gang ist ruhig und andächtig, im Innersten sitzt der Schrecken jedoch noch tief. Wen besuchen sie da eigentlich? Jesus, den verkündigten Messias, den Friedefürst, Wundervollbringer und Krankenheiler? Oder Jesus, den gescheiterten „Judenkönig“, wie ihn die Römer spöttisch nannten, der zu viel und zu laut seine blasphemischen Worte predigte und dafür nun die Rechnung erhalten hatte? Je näher sie dem Grab kamen, desto sinnloser und unwirklicher wirkten die letzten Monate: Stürme stillen, Brot vermehren, auf dem Wasser gehen und Kranke heilen war für ihn alles kein Problem. Die unendlichen Erwartungen und Hoffnungen in diesen Mann und sein Reich des Friedens waren doch gut begründet, doch jetzt kam sein Tod so schnell und hart, dass es ihnen den Boden unter den Füßen wegzog. Mit dem Tod enden schmerzhaft alle Hoffnungen und Erwartungen. Ein Toter bringt keinen Frieden, vollbringt keine Wunder und heilt keine Kranken. Das erwartete Friedensreich bleibt aus. Sie wollten den verkündigten König salben, nun salben sie einen kalten Leichnam. Am Grab angekommen fanden sie jedoch keinen Leichnam. In die Ratlosigkeit sprechen „zwei Männer in glänzenden Kleidern“ die Worte des Monatsspruchs und erweitern dadurch die bereits zahlreichen Titel Jesu um einen Weiteren: Jesus lebt, er ist der Auferstandene!

Der Titel des Auferstandenen ändert nun alles. Weil dieser Titel wahr ist, sind auf einmal wieder alle anderen Titel wahr: Der Auferstandene ist ein Friedensstifter, Wundervollbringer und Krankenheiler. Alle Erwartungen und Hoffnungen, die vor seinem Tod galten, gelten nun wieder, erweitert durch den Faktor Ewigkeit. Ewiger Frieden, ewiger König, ewiges Leben. Dabei zeigt sich die Andersartigkeit des Reiches Gottes gerade darin, dass ausgerechnet der Tod, der eigentlich für das absolute Ende steht, nun das ewige Leben einleitet. Die Frauen und Jünger hatten etwas ganz Anderes erwartet. Ihr Blick war auf das Weltliche gerichtet: Sie sahen das Ende, nicht den Neuanfang! Die Jünger verstanden es erst, nachdem sich Jesus ihnen zeigte. Als er wieder fort ging hatte sich etwas in ihnen verändert. Der Glaube an Jesu Lebendigkeit trieb die Jünger aus ihren Häusern in die Welt, um die frohe Botschaft zu verkünden. Dort sahen ihre Augen erneut Tod, Gewalt, Hass und sicher auch Enttäuschungen. Doch anstatt aufzugeben war ihr Blick diesmal auf den Lebendigen gerichtet. Sie wussten nun, wo sie ihn suchen mussten.

Der Blick in die Welt kann oft enttäuschen. Tod, Gewalt und Hass nagen an dem Glauben an ein gutes Ende. Doch allem Augenschein zum Trotz glauben wir an einen lebendigen Gott, dessen ewiges Friedensreich im Kommen ist. Bleiben Sie behütet.

Ihr Pastor J. Nagel

Jahreslosung 2017

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hesekiel 36,26)

Es kann erglühen und pochen, hämmern und stocken, brechen und zerspringen. Es kann verschenkt werden, unergründlich und offen sein. Und auch auf der Zunge können wir es tragen – unser Herz. Es kann aber auch trotzig und verzagt sein.

In der Bibel ist „Herz“ eines der am meisten gebrauchten Worte. Kein Wunder, gilt das Herz doch als Kern unserer Person, als unsere Mitte. Hier treffen wir unsere Entscheidungen, fühlen und empfinden wir.

Ein neues Herz, einen neuen Geist will Gott schenken. So sagt es der Prophet Hesekiel seinem Volk Israel zu, das zu dieser Zeit in der babylonischen Gefangenschaft sitzt. Statt eines Herzens aus Stein, so die prophetischen Worte, gibt Gott ein lebendiges und großes Herz. Konkret heißt dies für Hesekiel: die Schwachen schonen, fair handeln – auch gerade im wirtschaftlichen Zusammenhang – und Unrecht meiden. Das schrieb er vor 2.600 Jahren.

„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“, sagte Martin Luther zwei Jahrtausende später. 2017 feiern wir das 500- jährige Jubiläum der Reformation, die 1517 mit der Veröffentlichung von Luthers Thesen begann. Er wollte seine Kirche von ihrer Mitte – quasi von ihrem Herzen her – erneuern und reformieren. Jahreslosung 2017 „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hesekiel 36,26)

Die Jahreslosung 2017 ist eine große Verheißung: Gott selbst schenkt Erneuerung. Und zwar ganz von innen her – durch Erneuerung des Herzens und durch einen neuen Geist. Es ist die Einladung, Gott wirken zu lassen. Dafür braucht es Zeit und Raum. Eine wunder bare Ermutigung gerade für das Jubiläumsjahr. Reform muss nicht erzwungen werden, sie will wachsen.

Einen neuen Geist schafft Gott in uns. Allein aus Gnade – eines der Leitmotive der Reformation – wendet er sich uns Menschen zu, erhält und erneuert seine Kirche. Uns bleibt, aus diesem neuen Geist zu leben und als seine Gemeinde mit einem neuen Herzen Gottes Botschaft in Wort und Tat in die Welt zu tragen.

Frei und unerschrocken dürfen wir dies tun, denn Gottes Zusage gilt: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Bleiben Sie behütet. Ihr Pastor J. Nagel

Andacht

Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke zusammen?

Nein?

Ich hätte da noch eine gute Idee. Schenken Sie doch die Bibel in der neuen Lutherübersetzung, die gerade erschienen ist.

Passend zum Lutherjahr 2017, in dem sich der Thesenanschlag Luthers an die Schlosskirche zu Wittenberg das 500ste mal jährt, hat die Deutsche Bibelgesellschaft die Lutherübersetzung aus den Jahren 1964 und 1984 neu überarbeitet. Der Text wurde an den Stellen behutsam modernisiert, wo er unverständlich oder missverständlich war. Gleichzeitig wurden frühere unnötige Überarbeitungen der lutherschen Erstfassung zurückgenommen, sodass diese Bibel wieder näher an Luthers Original dran ist. Textstellen, zu denen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die Luther noch nicht zugänglich waren, wurden außerdem dementsprechend bearbeitet. Und schließlich enthält sie eine Menge Wort- und Sacherklärungen. Insgesamt wurden 44 % der Verse verändert, gegenüber 56 % unveränderten Versen. Trotzdem sind die Veränderungen insgesamt sehr behutsam vorgenommen worden. Die Übersetzung folgt nämlich nicht dem damaligen Anspruch Luthers, eine volksnahe Bibel zu sein, die den aktuellen Sprachgebrauch der Menschen aufgreift. Sie ist also keine moderne Übersetzung im eigentlichen Sinne, sondern weiß sich vor allem dem lutherschen Original und der Wissenschaft verpflichtet. 1521/ 22 hatte Luther das Neue Testament auf der Wartburg mit seiner ganz eigenen Sprachgewalt übersetzt. Es gab damals schon mehrere Übersetzungen ins Deutsche, die aber dem lateinischen Sprachduktus folgten und dementsprechend etwas steif, künstlich und für die meisten Menschen schwer lesbar daher kamen. Die luthersche Bibelübersetzung wurde dann ein großer Erfolg, weil sie „dem Volk aufs Maul geschaut“ hatte, weil sie volksnah und verständlich und gleichzeitig dem verfügbaren Urtext verpflichtet war. Von der ersten Ausgabe, die durch die Erfindung der Buchdruckerkunst 3000 mal gedruckt werden konnte, waren nach 12 Wochen alle verkauft. Dabei kostete sie einen kompletten Wochenlohn eines Zimmermanns oder Maurers. Bis zum Tode Luthers im Jahr 1546 wurden sogar 500 000 Exemplare verkauft. Ein echter Renner!

Schenken Sie zu Weihnachten doch die neue Lutherbibel. Damit haben Sie ein Buch mit echter Strahlkraft geschenkt. Ein Buch, das uns Christen heilig ist und das Gottes Wort und Weisung für unser Leben und unseren Glauben enthält. Es gibt sie in außergewöhnlichen Sondereditionen, die prominente Menschen gestaltet haben, von „Kloppo“ über Uschi Glas bis hin zum Cartoonisten Peter Gaymann. Sie alle zeigen damit etwas von ihrem Glauben. Wenn sie am Weihnachtsbaum mit der Familie dann die Geburtsgeschichte Jesu lesen, werden Sie entdecken, dass auch da eine Veränderung aufgenommen ist. Welche wird natürlich nicht schon vorher verraten! Es ist nur eine Kleinigkeit, aber eine wichtige … Lesen Sie selbst!

Ihnen allen wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr 2017!

Bleibt behütet! Ihre Pastorin Anke Starnitzke

Andacht Oktober - November

Liebe Leserinnen und Leser!

Die beiden sind unzertrennlich: Der christliche Glaube und die Freiheit. Schon vom ersten Moment an gehören sie zusammen. Denn wo ein Mensch zum Glauben kommt, da kommt zuvor der Geist des auferstandenen Christus zum Menschen. Und dieser Geist befreit den in sich selbst verschlossenen und gefangenen Menschen für Gott. Nicht durch Zwang oder Angstmacherei geschieht das. Sondern durch die Macht der Liebe Gottes. Diese Liebe eröffnet dem geliebten Gegenüber Raum:

Freiraum zum Leben. Darum kann und darf niemand zum Glauben gezwungen werden. Wollte man es dennoch versuchen, so käme nichts anderes dabei heraus als Heuchelei. Ein geheuchelter Glaube aber ist nichts anderes als – gar kein Glaube. Den Freiraum zum Leben, der sich einem Menschen durch den Glauben an Christus auftut, bewohnt man nie allein. Es ist vielmehr das innerste Geheimnis christlicher Freiheit, dass Gott sein zur Freiheit berufenes Geschöpf begleitet. Ja, gerade diese enge Gemeinschaft des Menschen mit seinem Schöpfer und Befreier ist es, die die christliche Freiheit so beglückend macht. Hier nämlich gilt in Anlehnung an ein Wort des Theologen Karl Rahner, dass Abhängigkeit. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2. Kor 3,17) von Gott und mensch - liche Selbständigkeit und Freiheit im gleichen, nicht im umgekehrten Maße wachsen.

In der liebevollen Beziehung zu Gott wird der Mensch durch Gottes Geist auf eigene Füße gestellt. Der Mensch darf selber glauben, lieben und hoffen. Und er soll das auch. Doch all das tut er nun eben „geistlich“, in der Verbindung zum lebendigen Christus durch den Heiligen Geist.

Weil aber dieser lebendige Herr immer auch der Herr seiner Gemeinde ist, teilt ein glaubender Menschen seinen Freiraum mit der Gemeinschaft der Glaubenden. Christsein kann man nur in der „Gemeinschaft der Freien“. Die aber ist kein Selbstzweck. Ihre geistgewirkte Freiheit ist im Kern eine Freiheit für Andere. Die christliche Gemeinde verschließt sich nicht. Sie macht ihre Tore weit und ihre Herzen noch weiter. Damit Menschen hineingeholt werden in die schöne Freiheit Gottes und so die Freiheit wächst.

Bleiben Sie behütet. Ihr Pastor J. Nagel

Monatsspruch für August 2016

Liebe Leserinnen und Leser!

„Endlich wieder zuhause in Kapernaum“, denken die Jünger Jesu. Als sie aber so vertraut im Haus sitzen, bricht unter den Jüngern Streit aus, wer von ihnen am wichtigsten sei. Da redet Jesus mit ihnen Klartext. Am Ende seiner Rede fordert er sie auf, auf ihr eigenes Leben zu achten, damit nichts sie vom Weg mit Jesus abbringe. Wer mit Jesus auf diesem Weg ist, der ist ganz gefordert. Das Ziel des Reiches Gottes ist so wertvoll, dass es sich lohnt, sein eigenes, von vielen Egoismen gesteuertes Leben zu begrenzen, um wirklich konzentriert auf das Reich Gottes zuzugehen.

In diesem Sinne ist das Schlusswort Jesu in Kapernaum gemeint. Schon beim alttestamentlichen Kult wurde Salz zur Reinigung auf die Schlachtopfer geschüttet. Bei Jesus geht es nicht um irgend welche Tieropfer, sondern um unser Leben. Auf dem Weg mit Jesus gilt es, auf sein eigenes Herz achten und es rein halten, genau dies drückt das Wort aus: „Habt Salz in euch“. Wir brauchen dieses „Salz" in uns, um unsere egoistischen Motive und Gedanken immer wieder zu überwinden.

Was ist nun dieses „Salz“? In der jüdischen Frömmigkeit der Zeit damals wurde die Thora, das jüdische Gesetzbuch, als Salz bezeichnet, also als das Gotteswort, das reinigt und stärkt. Das Lebenswort der Jesusjünger ist jetzt Jesu Wort. Jesus fordert seine Jünger auf, seine Worte als reinigende Kraft in ihrem Leben wirken zu lassen. Nur dann wird es ihnen gelingen, Frieden untereinander zu halten.

Die gemeinsame Zeit in Kapernaum begann mit Streit unter den Jüngern, und am Ende seiner Rede ruft Jesus sie zum Frieden. Diesen Frieden können sie und wir nur leben, wenn wir uns, in allem Gerangel untereinander, durch das Wort Jesu immer wieder infrage stellen und neu ausrichten lassen.

Bei diesem Salzwort Jesu geht es also um den Frieden in Kirchen und Gemeinden, der nur möglich ist, wenn wir Jesus jeden Tag neu in unser Leben sprechen lassen. Durch die Wirkung seines Wortes erkennen wir uns selbst, auch in unseren Fehlern; so können wir demütig und liebevoll bleiben im Umgang untereinander.

Bleiben Sie behütet. Ihr Pastor J. Nagel

Andacht April - Mai 2016

Monatsspruch für den April

Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. (1. Petr. 2,9)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der 1. Petrusbrief greift auf die kühnsten Bilder aus der Sprache des Alten Testaments zurück. Das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums – mit so kühnen Ehrentiteln bezeichnet er die Gemeinschaft der Christen. Er tut das nicht aus Hochmut. Es geschieht nicht, weil er die Überlegenheit der christlichen Gemeinde gegenüber allen anderen herausstreichen wollte. Es liegt ihm übrigens auch fern, das Volk Israel herabzusetzen – das Bundesvolk Gottes, auf das diese kühnen Bezeichnungen ursprünglich gemünzt sind. Der Brief, der in die Tradition des Apostels Petrus gestellt wird, stammt aus einer Zeit, in welcher der Tempel in Jerusalem schon zerstört ist und für das Volk Israel eine neue Zeit der Zerstreuung, der Diaspora begonnen hat. Die Erfahrung, dass man sein Vertrauen nicht auf tote Steine setzen darf, ist handgreiflich geworden. Die Christengemeinde hat sich vom Judentum bereits getrennt. Die Verheißungen des Alten Testaments beginnt sie, auf sich selbst zu beziehen. Aber das geschieht ohne jede hochmütige Absicht.

Zu solchem Hochmut bestünde auch überhaupt kein Anlass. Denn klein sind die christ - lichen Gemeinden der damaligen Zeit. Nur verschwindende Minder - heiten zählen sich zu ihnen. Sie leben in einer weithin heidnischen Umgebung. Und bedrängt sind diese Minderheitsgemeinden auch noch. Wir sehen uns in eine Zeit zurückversetzt, in der Christsein als strafbare Handlung gilt – das pure Christsein als solches. Unbewusst schätzen die Verfolger die christliche Taufe als das ein, was sie ist: ein revolutionärer, nämlich ein das Leben umwälzender Akt. Unbewusst bezeugen sie, dass christlicher Glaube als solcher versteinerte Verhältnisse zum Tanzen bringt – nämlich durch den Wärmestrom der Liebe, der von Jesus Christus ausgeht. Wenn die Christen tote Steine wären, bräuchte man sich über sie nicht aufzuregen. Weil sie lebendige Steine sind, deshalb bauen sie auf und stoßen an – das eine nicht ohne das andere.

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pastor J. Nagel

Andacht Dezember 2015 / Januar 2016

„Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden“ (Jes 49,13 )

 

Liebe Leserinnen und Leser,

der Prophet ist außer sich vor Freude, denn er sieht, wie Gott in das Elend seines Volkes eingreift. Noch ist es nicht so weit; noch fristet das Volk sein Dasein im Exil in Babylon, aber der Prophet sieht schon das Licht am Horizont: Bald dürfen sie nach Hause gehen, nach Jerusalem, nach 40 Jahren im Exil. Es ging den Israeliten äußerlich nicht schlecht in Babylon. Sie bauten Häuser, legten Gärten an, hatten ihren Alltag, ihr Einkommen. Aber in ihrer Seele, in ihrem Glauben waren sie verzagt: Sie konnten einfach nicht fassen, dass ihr Gott zulassen konnte, dass Jerusalem erobert und der Tempel zerstört wurde. Waren nicht doch die Götter der Babylonier stärker und größer als der Gott Israels? Die Propheten erklärten diese Katastrophe mit dem schuldhaften Verhalten Israels: Das Ganze sei eine Strafaktion Gottes gewesen; man müsse sich zu seiner Schuld stellen und umkehren. Nun die Ankündigung: der Gott Israels wendet das Schicksal, er schenkt die Heimat zurück, - und Erleichterung und Trost machen sich breit. So begeistert ist der Prophet, dass er die ganze Schöpfung in seine Freude einbezieht. Wenn Gott kommt, sind nicht nur einige Menschen betroffen, sondern alle! Nichts und niemand bleibt von der kom- Monatsspruch für Dezember „Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden“ (Jes 49,13 ) menden Gott der Befreiung unberührt. Genau diese Bewegung steckt auch in der Geschichte, auf der wir in den Wochen vor Weihnachten zuleben: In Jesus kommt Gott in die Welt, als Bruder der Menschen, um Heilung und Erlösung in unser geschundenes Leben zu bringen. Noch sind wir nicht geheilt, noch sind wir oft böse, noch ist nicht alles gut! Aber Gott sieht uns mit anderen Augen an: Er sieht uns durch Jesus hindurch, der für unsere Schuld und in unser Leid hinein sterben wird. Wenn wir das Evangelium hören und an Jesus festhalten, dann sehen wir auch den Lichtstreifen am Horizont. Die Sonne wird aufgehen, auch wenn es noch Nacht ist. Darum können wir jetzt schon Lieder der Freude singen, zuerst leise vielleicht und dann immer lauter werdend. Und in unserer Freude über den sich erbarmenden Gott werden wir die Menschen um uns herum mithineinnehmen, hoffentlich!

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pastor J. Nagel

Andacht: August / September 2015

Liebe Gemeinde,

auch in diesem Jahr war der Kirchentag wieder ein wundervolles Erlebnis. Ein buntes und fröhliches Fest des Glaubens in der Hitze Stuttgarts. Es ist immer wieder ermutigend hautnah zu erleben: Wir sind viele! Kirche hört nicht an den Grenzen unserer eigenen Gemeinde auf, sondern existiert und lebt weltweit. Wir sind ein Teil einer großen Bewegung.

Etwas von dieser großen weiten Welt wurde uns deutlich, als ich mit meinem Mann in einer Veranstaltung in der Hanns- Martin-Schleyer-Halle saß. Dort bekamen wir die einmalige Gelegenheit, dem ehemaligen Generalsekretär der vereinten Nationen und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan, dem deutschen Außenminister Frank Walter Steinmeier und dem englischen Bischof Nicholas Baines, der seit 2014 auch Mitglied des House of Lords ist, zuzuhören. Sie sprachen über die großen politischen Konflikte in der Welt. Nun ist es eine der besonderen Stärken des Kirchentages, dass man auch als kleiner Kirchenmensch gehört wird und selbst solch berühmten Persönlichkeiten Fragen stellen kann. In dieser Veranstaltung fragte also jemand: „Was kann jeder einzelne von uns tun, damit die Welt friedlicher wird?“ Und plötzlich wurde es in der riesigen Halle mit ca. 8000 Teilnehmenden ganz persönlich und emotional. Kofi Annan meinte, dass jeder in seiner eigenen Gemeinschaft anfangen solle, Gutes zu tun und dafür zu sorgen, dass es den anderen und der Gemeinschaft besser gehe. Wenn jeder das versuchen würde, dann würde sich auch die ganze Welt zum Besseren verändern. Frank Walter Steinmeier erzählte von einem Zettel, den er einmal in einer für ihn sehr schlimmen Situation von Hans Joachim Vogel geschenkt bekommen habe und der von Herbert Wehner stammte. Auf ihm stand: „Immer weitermachen. Niemals aufgeben.“ Und sehr schlicht brachte es zum Schluss Bischof Baines auf den Punkt: „Follow Jesus!“ Folgt Jesus nach! Nehmt euch an ihm ein Beispiel bei eurem Handeln!

So fühlte man sich zum Schluss nicht mehr völlig den großen politischen Bedrohungen dieser Welt ausgeliefert, sondern man spürte: Du bist Teil des Ganzen und kannst etwas Gutes dazu beitragen. Jede/r einzelne trägt Verantwortung für die Welt. Wir waren also von diesen großen Persönlich- Frank-Walter Steinmeier und Kofi Annan zur Zivilcourage aufgerufen, auf unsere eigenen Lebensbereiche zurück verwiesen worden und vor die Aufgabe gestellt, in unserer kleinen persönlichen Welt für ein gutes Miteinander zu sorgen.

Aber nicht nur die große weite Welt macht den Kirchentag so schön und wichtig, sondern auch die kleinen Treffen am Rande. Deshalb war dann auch die Freude groß, als wir am Abend bei einem Kirchenkonzert Karl Siegfried Mülke aus unserer Nachbargemeinde Mennighüffen in der Stuttgarter Innenstadt trafen. Herzlich war die Begrüßung und man spürte: wir gehören zusammen in unserer kleinen Kirchenwelt in Mennighüffen und Siemshof. Gern hörten und sangen wir zusammen die heimischen Kirchenlieder, von Luthers Reformationsdichtungen bis hin zu dem neuen Kirchenlied von Fritz Baltruweit: Gott gab uns Atem, damit wir leben . Und Baltruweit selbst führte uns mit seiner Moderation durch dieses Konzert und begleitete uns. Das waren nur zwei der vielen eindrück - lichen Erlebnisse auf dem Stuttgarter Kirchentag: Wir sind Teil der großen Welt, die trotz vieler Konflikte versucht, friedlich zusammen zu leben. Und zugleich Teil unserer kleinen Welt in unserer ostwest - fälischen Gemeinde, wo es auch vieles gemeinsam zu bewältigen gibt. Beide Welten sind umfangen, gehalten und erhalten von dem einen Gott, der uns allen den Atem zum Leben gab. Darauf können wir uns verlassen. Und im Vertrauen darauf können wir dann aber auch in unseren Lebensbereichen das tun, was Fritz Baltruweit an diesem Abend die wichtigsten Sätze in seinem Kirchenlied nannte: „Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehen.“

Lassen Sie uns doch damit vor Ort, in unserer kleinen Welt, in unseren Kirchengemeinden Siemshof und Mennighüffen beginnen!

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pastorin Anke Starnitzke

Andacht Juni / Juli 2015

Monatsspruch für Juni 2015:

Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest. (Gen. 32,27)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jakob ist ein erfolgreicher Mann. Aber er trägt eine Vergangenheit mit sich herum, die nicht vergehen will. Die Sache mit dem erschwindelten Segen des Vaters Isaak war kein Ruhmesblatt. Aus der Heimat musste er fliehen. Aber doch lag ein Segen auf ihm. Er hat es geschafft, ist erfolgreich, hat Geld und eine glückliche Familie. Sein Gott geht mit ihm. Deshalb hat er sich auch geschworen, dass dieser Gott auf ewig sein Gott sein soll. Seit dem Traum mit der Himmelsleiter steht das für ihn fest. Aber trotzdem: Diese Geschichte mit Esau, Isaak und dem Segen - das will er bereinigen, denn das plagt ihn. Immer wieder hat er mit sich gerungen, jetzt will er endlich den ersten Schritt tun. Jakob macht sich schließlich auf den Weg der Versöhnung. Alles, was er besitzt, nimmt er mit, um Esau entgegenzuziehen. Auch eine der beiden Frauen und die elf Söhne sind dabei. Für Jakob geht es ums Ganze. Versöhnung kennt keine halben Sachen.

Seine Familie führt Jakob über den Fluss Jabbok, dann bleibt er allein zurück. Er will jetzt wenigstens die Nacht für sich sein, mit seinen Gedanken, Vorahnungen und Unsicherheiten. Aber Jakob findet keine Ruhe. Es ist düstere Nacht. Alle Not und alle Gefahr stürmen auf sein Herz und seine Gedanken ein. Jakobs Seele muss ringen mit dem Dunklen, Verborgenen und Verdrängten. Ein fremder Mann kämpft da plötzlich mit ihm, die ganze Nacht hindurch. Jakob hat Mühe, ihm standzuhalten. Eigentlich wäre es einfacher, jetzt umzukehren. Vielleicht ist es gar nicht Gottes Wille, dass er hier auf diesem Weg ist.

„Lass mich gehen“, ruft der Fremde ihm da beim Anbruch der Morgenröte entgegen. Aber Jakob ist stur: „Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.“ Der Fremde gibt sich als Gott selbst zu erkennen. Und dann segnet er Jakob, dieses Mal ein verdienter, kein erschwindelter Segen. Eigentlich müsste, wer Gott von Angesicht sieht, doch sterben. Und so erkennt Jakob, dass ihm nicht nur der Segen, sondern ein neues Leben geschenkt wird. Allerdings, er trägt Wunden von diesem Kampf davon. Seine Hüfte ist beschädigt, er ist nun ein Hinkender. Doch er weiß jetzt: „Ich kann neu leben, aus Gottes Geist der Liebe und Versöhnung.“ Jakobs Ringen mit seinem Gott – es führt ihn nicht in den Tod, sondern in ein Leben aus Segen und Versöhnung. Auch die Vergangenheit verliert ihre belastende Seite. Esau empfängt Jakob freundlich. Die Brüder können sich wieder in die Augen sehen, der Zorn des Älteren ist verflogen. Sie können neu anfangen. Für Jakob ein Gottesgeschenk.

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pastor J. Nagel

Andacht April / Mai 2015

Liebe Gemeinde! Früh am Morgen, am ersten Tag der Woche, gingen die Frauen aus Galiläa, die Jesus liebten und ihm nachgefolgt waren, zu seinem Grab. Sie wollten ihrem Herrn einen letzten Dienst erweisen und hatten wohlriechende Öle dabei, um den Leichnam zu salben. Sicher waren sie sehr traurig und schweigsam.

Diesen traurigen Gang zum Friedhof und zum Grab eines geliebten verstorbenen Menschen kennen viele von Ihnen aus Ihrem eigenen Erleben, denn viele von Ihnen sind im vergangenen Jahr den Weg gegangen, den auch diese Frauen aus Israels gehen mussten. Vielleicht hatten auch Sie eine Liebesgabe dabei, einen Blumenstrauß oder ein Gesteck, um das Grab zu schmücken und Ihrer Trauer und Liebe Ausdruck zu verleihen. Wie wir brauchten auch diese Frauen einen Ort für ihren Kummer, ihr Herzweh und ihre Trauer und eine Möglichkeit dem Verstorbenen noch einmal nahe zu sein.

So gingen sie zur Grabeshöhle. Aber anders als wir fanden sie den Stein vom Grab weggewälzt und zwei Männer verkündeten ihnen eine ungeheuerliche Botschaft:  Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?Er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Erstaunlicherweise reagieren die Frauen weder überstürzt, noch zutiefst erschrocken. Sie erinnern sich an die Worte Jesu, kehren zurück nach Hause und erzählen getröstet und voller Vertrauen und Mut, Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lk 24, 5+6) was sie erlebt haben. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Wer wache Sinne dafür hat, soll und kann an Ostern etwas von dieser Botschaft spüren: Ostern fängt die große Hoffnung an. Nicht nur für die Frauen aus Galiläa, sondern auch für uns und alle, die einen Menschen lieben und ihn auf dem Friedhof begraben müssen. Durch Jesu Auferstehung haben wir die Zuversicht, dass Gott nach unsrem Tod unser manchmal so mühsames und unvollkommenes Dasein zu einem neuen Leben verwandeln wird. Von dieser Auferstehungsfreude sollen wir jetzt schon etwas spüren: unsere Trauer soll in Freude verwandelt werden, unsere Ängste in Mut, unsere Verletzungen in heil-Sein.

In der Gemeinde Babenhausen in Bielefeld, in der ich eine Zeit tätig war, wird an Karfreitag ein Kinderkreuzweg begangen. Dort singen alle Kinder und Erwachsenen deshalb am Schluss:

Wie ein Lachen, wie ein Vogelflug steigt mein Lied zum Himmel auf. Und ich staune, mir wird leicht. Gottes Flügel tragen weit. Und ich staune, mir wird leicht, Gottes Flügel tragen weit.

Ihnen allen ein gesegnetes, ein freud - volles, und in diesem Sinne leichtes Osterfest:

Bleiben Sie behütet! Ihre Pastorin Anke Starnitzke

Jahreslosung

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Röm 15,7) /Jahreslosung 2015

Liebe Leserinnen und Leser!

„Nehmt einander an“ heißt ja nicht, dass Unterschiede und Andersartigkeit geleugnet werden. Nein, vielmehr - sie werden wahrgenommen. Aber bis zum „Annehmen“ und Tolerieren ist da ein weiter Schritt. Sogar in der christlichen Gemeinde. Und die war zu Zeiten des Apostels nicht weniger bunt gemischt als heute. Es herrschten damals unterschiedliche Meinungen über die richtige Art und Weise als Christ zu leben. Die Konflikte kamen vor allem durch die unterschiedlichen Prägungen. Es gab diejenigen, die sich vom Judentum zum Christentum bekehrt hatten – so wie Paulus selbst. Und es gab die andere Gruppe, in Rom sicherlich eine weitaus größere, die ihre Wurzeln ganz woanders hatten. Kulte, Verehrungen, Religionen im römischen Staat. Wie lebte man nun den neuen, den christlichen Lebensstil? Galten die alten Gebote und Vorschriften des strengen Judentums? Oder gab es durch die neue Freiheit in Christus eine Liberalisierung? Die Frage nach Sekt oder Selters auch in der christlichen Gemeinde. Doch der je eigene Stil wurde nicht akzeptiert, sondern verurteilt, verhöhnt, verachtet … Dass das eine Gemeinschaft, sogar die „Gemeinde in Jesus Christus“ sprengen kann, ist offenkundig. Paulus muss handeln, muss mahnen, muss warnen – und er muss erinnern. „Seid ihr nicht alle selbst von Gott angenommen?“ Das ist für ihn der fundamentale Grund für Toleranz und Akzeptanz - dass jeder und jede in der Gemeinde es schon selbst erfahren hat – von Christus angenommen zu sein. In der Taufe, die alle verbindet, ist dieses „Ja“ zu jedem und jeder gesprochen worden – egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder mit wie viel Schuld und Scheitern. Gott hat die Schwachen aufgerichtet und den Starken die Hand zum Frieden gereicht. Also: Tut es wie er!

Mit Gottes „Ja“ zu uns hat Gott sich vorbehaltlos und liebevoll uns zugewendet. An unseren Fehlern müssen wir nicht zerbrechen, unsere Schuld erdrückt uns nicht, unsere Ängste und Sorgen müssen wir nicht allein tragen. Wir sind angenommen, wir können uns selbst so annehmen wie wir sind. Wir dürfen den aufrechten Gang wagen, weil Gott uns aufrichtet und auf den Weg des Lebens führt. Wir dürfen es erleben. Sollten wir nicht allein deshalb schon den Anderen, den Fremden, den, der bei uns Zuflucht und neue Perspektiven sucht, mit diesem liebe- und respektvollen Blick begegnen – eine Chance für ein neues, ein besseres Leben?

Bleiben Sie behütet. Ihr Pastor J. Nagel

Andacht Dezember / Januar

Liebe Gemeinde,

In der Zeit, als meine Kinder noch klein waren, erschien es mir ungeheuer wichtig, dass unsere Wohnung jedes Jahr pünktlich zum 1. Advent mit Adventskranz, Kalender, Tannenschmuck und Kerzen fertig geschmückt war und die selbstgebackenen Kekse in der Dose lagen. Dann konnte der Advent beginnen. In manchem Jahr war das ein richtiger Stress!

Heute weiß ich, dass am 1. Advent nicht alles fertig sein muss, sondern dass er aus der Dunkelheit des Totensonntags hervorkommt. Von dort aus darf der Advent dann klein beginnen und langsam wachsen. Nicht umsonst hat die Kirche zur Vorbereitung auf das Weihnachtsfest 4 lange Wochen vorgesehen, in denen man nach und nach dem Geheimnis von Weihnachten auf die Spur kommen kann.

Ich will es einfach nicht mehr so machen wie die Einkaufszentren und Shoppingmeilen in der Gegend: Auch hier muss zum 1. Advent alles fertig sein und für die Kunden parat stehen. In der Woche vor dem Volkstrauertag beginnt schon die Installation der Lampen und der bunten Kugeln, inklusive reichlich Lametta. Dann wird am Montag nach Totensonntag der sprichwörtliche große Hebel am Trafo umgelegt und alles erstrahlt in hellstem Glanz und bleibt bis Silvester bis zur Unkenntlichkeit hin ausgeleuchtet. Vielleicht beginne ich in diesem Jahr den Advent nur mit einer kleinen Kerze am Frühstückstisch und lasse den äußeren Schmuck in unserem Haus dann wachsen und Schritt halten mit meiner inneren Bereitschaft, Weihnachten willkommen zu heißen. Dabei wird mich ein Gedicht von Tina Willms begleiten:

Warten im Advent

Im Advent will ich das Warten wieder einüben 

Ich will versuchen Meine Ungeduld auszuhalten.

Und während die Minuten sich dehnen, will ich meiner Sehnsucht folgen.

Was wünsche ich mir für mich selbst? Was erwarte ich von Gottes Kommen?

Vielleicht begegne ich meiner Bedürftigkeit. Meiner Verletzlichkeit.

Meiner Verzagtheit. Was wenig Raum hat im Alltag darf jetzt sein.

Und so öffne ich während des Wartens die Tür zu meinem Inneren.

Um den zu empfangen, der sein Heil zur Erde bringt.

Auch für mich.

 Bleiben Sie behütet! Ihre Pastorin Anke Starnitzke

Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen. (Jesus Sirach 35,10)

Liebe Leserinnen und Leser, ohne zu geizen und ohne Waffengewalt würde er seine Erstlingsgabe nie weggeben: Dagobert Duck, der steinreiche Onkel von Donald Duck in der berühmten Comicserie von Carl Barks.

Wer als Kind mit Comics aufgewachsen ist, kennt Onkel Dagobert und seinen gigantischen Geldspeicher, in dem dieser „drei Kubikhektar Geld“ aufbewahrt. Mittel- und Ausgangspunkt seines Reichtums ist sein sogenannter „Glückszehner“. Der Glückszehner ist Dagoberts Erstling, die erste Geldmünze, die die reichste Ente der Welt in ihrem Leben verdient hat, eigenen Angaben zufolge beim Schuheputzen. Onkel Dagobert ist nämlich nicht mit goldenen Löffeln geboren worden, sondern musste sich jeden einzelnen Taler hart erarbeiten. Sein erster Taler, der Glückszehner, besitzt für Dagobert eine magische, fast schon religiöse Bedeutung. Er hütet ihn wie seinen Augapfel und bewahrt ihn unter einer besonders gesicherten Glasglocke vor bösen Leuten wie den Panzerknackern oder Gundel Gaukeley, die es auf seinen ersten Taler abgesehen haben. Denn alle in Entenhausen wissen, dass Dagoberts Glückszehner das Fundament seines Reichtums ist. Man muss kein eingefleischter „Donaldist“ oder Comic-Wissenschaftler sein, um zu bemerken, dass dieser erste Taler auch psychologisch wertvoll ist. Nicht nur die reichste Ente der Welt, sondern auch wir Menschen hängen an unseren Erstlingen. Wir sind stolz auf unsere ersten Erfolge und die ersten Früchte unserer Arbeit. Die Freude und die Anstrengungen, die wir mit ihnen verbinden, sind oft besonders groß. Ausgerechnet diese „Erstlingsgaben“ sind es nun, die Gott von den Menschen beansprucht. Was in Dagoberts Ohren nach einer Zumutung klingt, ist in den Augen Gottes eine Investition in ein gutes Leben. Wer den ersten Teil seiner Ernte Gott schenkt, erinnert daran, dass er von Anfang an sein Leben und seine Arbeit nicht nur sich selbst verdankt. Wer den ersten Teil seines Ertrages nicht für sich selber behält, macht darauf aufmerksam, dass er von Grundlagen lebt, die er selber nicht geschaffen hat. Christinnen und Christen glauben daran, dass Gott der Grundleger allen Lebens ist und von daher auch einen Anspruch auf ihr Leben hat.

Ein Zeichen dieses Anspruches sind die Opfer, die er von uns erwartet. Welche Opfer das sind, beschreibt Jesus Sirach in seinem 35. Kapitel: „Gottes Gebote halten, das ist ein reiches Opfer. Gottes Gebote ehren, das ist das rechte Dankopfer. Gott danken, das ist das rechte Speiseopfer. Barmherzigkeit üben, das ist das rechte Lobopfer. Von Sünden lassen, das ist ein Gottesdienst, der dem Herrn gefällt; und aufhören, Unrecht zu tun, das ist ein rechtes Sühneopfer.“ Die Opfer, die Gott von uns erwartet, bestehen nicht aus dem Verbrennen von Erntegaben oder aus dem Töten von Tieren. Nicht Leben vergeuden, sondern Liebe vermehren ist ein gutes Opfer in seinen Augen.

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pastor J. Nagel

Herr, du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31,9b)

Herr, du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31,9b)

Liebe Gemeinde, weißer Strand, blauer Himmel, Nordseewellen mit weißen Schaumkronen, eine kräftige Brise… so stell ich mir Erholung vor!!

Ob an der See, in den Bergen, auf „Balkonien“ oder in „Bad Mein-Garten“, viele von uns verbringen in den nächsten Wochen ihren Urlaub, um die Seele baumeln zu lassen, den weiten Himmel zu genießen, endlich wieder einmal in Freizeit zu schwelgen. Das soll so sein. Wir brauchen Pausen. Denn der Mensch ist nicht für die Arbeit da, sondern die Arbeit für den Menschen. Gott hat den Menschen nicht als Arbeitstier geschaffen, sondern weite Räume für ihn vorgesehen: Zeit, um Atem zu holen, weite Landschaften, damit Jung und Alt Neues entdecken können, weit ausschreiten dürfen, entspannt oder ausgelassen das Leben genießen sollen. Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum.

Im 31. Psalm geht es allerdings nicht um Freizeit, sondern um Freiheit, und um zuvor erfahrene Not und Bedrängnis des Lebens, was doch noch etwas anderes ist. „Singen, jubeln und jauchzen möchte ich, denn ich bin fröhlich über deine Güte, du siehst mein Elend und nimmst dich meiner an in der Not. Herr, du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Dieses Gebet ist Kern und Ausdruck jüdischer und christlicher Befreiungstheologie. Wir bekennen uns zu einem Gott, der sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens befreit hat, der den Erhalt der Freiräume sichert durch das Geschenk der 10 Gebote und der sein Volk hinausführt in die Weite.

Ich wünsche uns, dass etwas von dieser Befreiungstheologie immer wieder in unser Leben herunter buchstabiert werden kann, erfahrbar und fühlbar wird. Nach Zeiten harter Arbeit und bedrückender Erfahrungen auch im Urlaub! Damit wir am eigenen Leib und an eigener Seele erfahren: Gott ist und bleibt mein Befreier aus enger Not und Bedrängnis. Ich wünsche uns, dass wir die Freiräume, die Gott uns im Leben schenkt, gestalten können und dass wir sie für uns und andere weit offen halten. Ich wünsche uns Spielräume mit unseren Kindern und Enkeln, den kleinen und großen. Ich wünsche uns Freiräume etwas Neues auszuprobieren, in der Arbeit und im Miteinander. Ich wünsche uns Rückzugsräume, in denen wir uns ausruhen können und neue Kraft schöpfen. Gott befestige uns in der Freiheit, stelle uns auf eigene Füße und gebe uns den nötigen Halt in den weiten Räumen.

Bleibt behütet. Ihre Pastorin Anke Starnitzke

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Unser biblisches Leitbild

 Jesus Christus spricht:

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da will ich mitten unter ihnen sein.

( Matthäus 18,20 )